Über die Künstlerin

Nach dem Studium der Sozialwissenschaften brachte ihre Heirat sie 1965 nach Südostasien. Dort studierte Brigitte Hoeppe in Singapur als Schülerin von Dr. Chen Wen Hsi und Meisterschülerin von Madame Che Cheng Lin von 1965-1970 Malerei und Grafik.

Die Künstlerin unternahm Studienreisen und absolvierte Studienaufenthalte in Malaysia, Thailand, Philippinen, Taiwan, Indonesien, Kambodscha, Hongkong, Pakistan, USA, Kanada und zahlreichen europäischen Ländern.

Von der regelstrengen chinesischen Aquarell- und Tuschemalerei ausgehend, hat Brigitte Hoeppe ihren eigenen Stil entwickelt. Kraftvolle, intensive Farben und eine expressive Formensprache prägen die Arbeiten von Brigitte Hoeppe.

Ausstellungen:
Über 100 Ausstellungen fanden im In- und Ausland statt, unter anderem in Basel, Berlin, Brüssel, Frankfurt/Main, Hamburg, Paris, New York, Santa Fe (New Mexico), Albuquerque, Singapur und Zürich.

Brigitte Hoeppe lebt und arbeitet in Berlin.

 

Die Weisheit des Auges und der Leinwand

Die Malerei von Brigitte Hoeppe schlägt einen weiten Bogen. Kein flüchtiger Betrachter würde vermuten, dass Rollbilder im klassisch-chinesischen Stil und großformatige abstrakt-expressionistische Leinwände von derselben Künstlerin stammen könnten. Hier die strenge, beherrschte Welt traditioneller Formen, bei der jeder Pinselstrich eine jahrhundertealte Entwicklung verkörpert, und dort die grenzenlose Freiheit von Farbe und Form. Ordnung und Chaos aus der gleichen Quelle? China und die „europäische“ Moderne?

Wie immer täuscht der flüchtige Blick: Hängen Bilder aus den verschiedenen Phasen im Werk von Brigitte Hoeppe zusammen in einem Raum, so sind sie sich nicht gegenseitig fremd. Im Gegenteil: Sie „sprechen“ miteinander und sind verwandt auf eine magische Weise, die wir mehr spüren als sehen können.

Ein Blick in die Biografie der Künstlerin liefert einen Schlüssel zur Erklärung. Durch ihre Ehe gelangte Brigitte Hoeppe in das fernöstliche Singapur. Innerhalb von fünf Jahren erlernte sie dort als Schülerin von Dr. Chen Wen Hsi und Meisterschülerin von Che Cheng Lin diszipliniert den Kanon der traditionellen chinesischen Malerei. Landschaften, Tiere und Stilleben von Blumen und Früchten. Bilder mit grafischer Klarheit, ohne Abschweifung vom Wesentlichen. Malen als Meditation. Als Mittel zur Schärfung der Sinne. Der Prozess des Malens, die Bewegung des Pinsels auf dem Papier, als Ausdruck der Philosophie des Ostens. Tao und Zen.

Nur wenige wissen, warum ich male. Und wenn sie nicht die Weisheit des Auges besitzen, werden sie es niemals wissen. Meine Malerei kann man nicht wie die der alten und modernen Spezialisten beurteilen. Wenn wir Reife in der Malerei erreichen, dann sind wir der Welt nicht mehr verhaftet, deren Geschäfte nicht mehr sind als ein einziges Haar im großen Ozean. Sitze ich in der ruhigen Abgeschiedenheit meines Zimmers mit verschränkten Beinen, dann fühle ich, wie ich mit dem blauen Firmament auf- und abwärts treibe, grenzenlos und still.
Worte von Mi-Yu-jen aus dem elften Jahrhundert, denen sich die Künstlerin besonders verbunden fühlt.

Hat die Kunst von Brigitte Hoeppe ihren Ursprung in Singapur, so wurde sie mit der Rückkehr nach Europa Anfang der siebziger Jahre zu einer Grenzgängerin der Kulturen in der Malerei.

Beeinflusst von Expressionismus und klassischer Moderne hat sie mit der Zeit aus den asiatischen Wurzeln heraus eine Symbiose westlicher und östlicher Elemente geschaffen. Von der Strenge chinesischer Formen hat sie sich nach und nach gelöst, doch bleibt sie deren Ideen verbunden. Zum Spektrum der Formen ist ein Spektrum der Farben gekommen. Und eine neue Wunderwelt ist entstanden,

Die neuen, großformatigen Bilder strahlen eine unbeschreibliche Kraft und Energie aus, sind voller Spannung. Sie zeigen die Freude der Künstlerin über das Leben und das Lebendige.

Wer meine Musik versteht, kann niemals wieder unglücklich sein.

An diesen Ausspruch von Ludwig van Beethoven muss ich beim Betrachten der Bilder unwillkürlich denken. Denn die Gemälde geben mir von ihrer Kraft ab, haben eine ansteckende Vitalität. Ich tauche ein in die magischen Farblandschaften und spüre die Wärme des Sonnenuntergangs, rieche den Duft der lockenden Blüten und fühle, wie eine Windbrise die herbstlich gefärbten Blätter wiegt.

Die Komposition asiatischer und europäischer Elemente zu einer Symbiose der Farben in der Kunst von Brigitte Hoeppe ist ein Zeichen für die Möglichkeit der gegenseitigen Bereicherung der Kulturen. Asien und der Westen dürfen sich nicht gegenseitig fremd bleiben, sondern müssen Impulse austauschen. Damit wir Menschen unsere Einheit begreifen, müssen Kunst und Musik das Eis der Ignoranz brechen. Wie die Musik des Japaners Kitaro sind die Bilder von Brigitte Hoeppe Botschaften der Freude an die Herzen aller Menschen.

Götz Reinhold